MILITSCH - MILICZ
Die Burg Militsch wurde zum ersten Mal in der Bulle von Innozenz II.
im Jahre 1136 als Miliche erwähnt. Man hat festgestellt, daß es hier
schon im Jahre 1155 eine Kastellanei gab. Nach dem Tatarenüberfall
bekam Militsch seine Stadtrechte. Das Dekret des Bischofs aus dem
Jahre 1223 bezeichnet diese Burg als Sitz der Pfarrgemeinde, deren
Pfarrer ein gewisser Prawota war.
Die Reste der Burg sind heute noch am nördlichen Ufer der Bartsch
zu finden. Die strategische Lage dieses Ortes hat der böhmische
König Johann von Luxemburg richtig eingeschätzt und die Stadt
erobert, womit er den Bannfluch des Bischofs Nanker auf sich gezogen
hat (1339). 1358 hat das Bistum die Stadt zusammen mit der
Kastellanei an den Herzog Konrad I. von Oels verkauft. Zur Zeit
dieser Herrscherfamilie wurde das Schloß, später auch mit
Wassergraben umgeben, gebaut.
Die Dokumente aus dem Zeitraum 1406-1442 nennen die Namen
polnischer Ratsherren und Bürger aus Militsch: Klemens Bogdasz,
Jakub Drygal, Mikolaj Ikrny, Bartlomiej Raczka, Paszko Sobótka i
Staszko.
Der letzte Piastenherzog von Oels ist 1492 gestorben, so daß die
Stadt an den böhmischen König, Ladislaus den Jagellonen ging. Dieser
verkaufte die Stadt an Sigismund Kurzbach. Dessen Söhne haben das
Bartschtal unter sich geteilt und auf diese Weise entstanden die
Militscher und Trachenberger Standesherrschaften. Die Familie
Kurzbach herrschte bis zum Jahre 1590. Dann heiratete Eva Popelia -
die letzte aus der Herrscherfamilie - den Grafen Joachim Maltzan
III. Eva ruht in der Krypta der St. Michael-Kirche in der Nähe des
Militscher Marktplatzes.
Die Familie von Maltzan errichtete das klassizistische Schloß
(1790-99), legte den ersten englischen Park in Schlesien an (50ha.),
erbaute zwei Kirchen - die Gnadenkirche (1709) und die St.
Anna-Kirche (1807). Diese Familie versuchte auch, in der Stadt und
in der Region die Industrieentwicklung zu fördern. Man gründete
Wolle- und Baumwollemanufakturen, einen Tuchbetrieb und eine
Spinnerei. Sie erbaute auch die Siedlung Karlstadt - polnisch:
Karlowo. Mitte des 19. Jahrhunderts besaß die Stadt ein neues
Rathaus, Wasserleitungen und im Bau war schon das Kanalisationsnetz.
Im Jahre 1875 bekam die Stadt die Bahnverbindung mit Oels, Breslau
und Krotoschin. Etwa 20 Jahre später verband die Kleinbahn Militsch
mit Trachenberg, Prausnitz, Sulau, Trebniz und Breslau.
Kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges zählte die Stadt
etwa 3780 Einwohner. Es bestanden hier drei Hotels.
Die reiche Geschichte der Stadt und der Umgebung ist der Familie
Kurzbach zu verdanken, die nach den Zisterziensern die Karpfenzucht
fortführte. Die damals häufigen Fastenzeiten hatten den steigenden
Bedarf an Fisch zur Folge, was mittelbar die Entwicklung der Teiche
in der Umgebung von Militsch beeinflußte.
Die Freiherren Kurzbach haben Aussiedler aus dem Schwabenland
herkommen lassen und neue Dörfer angelegt, sie haben Wälder gerodet,
Dämme und Schleusen gebaut. Zu ihren Zeiten gab es schon den größten
Teich - Krabownitze - mit 500 ha Fläche.
Diese mit vollem Schwung geführten Arbeiten hatten auch ihre
negativen Seiten und zwar die immer wachsenden Schulden. Die
finanziellen Probleme wurden immer größer auch wegen
Grenzstreitigkeiten sowohl mit dem Trebnitzer Kloster als auch mit
den Adeligen aus Großpolen. Wilhelm von Kurzbach war gezwungen, Fuß-
und Reitertruppen von 400 Mann zu finanzieren, die er in Militsch
stationierte. Trotzdem ist es den Polen gelungen, 1554 in die Stadt
einzudringen, ins Schloß zu kommen und den Freiherrn Wilhelm zu
entführen. Dieser blieb zwei Jahre lang in der Gefangenschaft, erst
nach der Intervention des Hauses Habsburg und schlesischer Adeliger
wurde er freigelassen. Dann baute man in Militsch an der ?Polnischen
Brücke" an der Bartsch gelegen ein Schutztor mit der Bastei (heute:
Krotoszynska-Straße).
Wilhelms Nachfolger Sigismund II. von Kurzbach, führte eine
abenteuerliche Politik. 1576 hat er bei Groß-Wartenberg den Woiwoden
von Posen, Anrzej Górka, angegriffen und gefangengenommen. Zwei
Jahre später kam Kurzbach in Konflikt mit den Fürsten von Schlesien.
Aber seiner Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, daß Militsch als
eine Grenzburg anerkannt wurde, was den Bau der Schutzmauer und die
Modernisierung des Polnischen Tores, des Breslauer Tores und des
Schloßtores zur Folge hatte. Sigismund II. ist ums Leben gekommen
wie er gelebt hat. In der Silvesternacht 1579, während seines
Kriegszuges in die Niederlande, legte er sich in einem Zimmer zur
Ruhe im Schloß Leiningen. Sein Page Melchior hatte den Schlüssel
verloren und konnte die Tür nicht öffnen. Um den Zorn des Herrn zu
vermeiden, legte er ins Schlüsselloch ein bißchen Schießpulver und
zündete es an. Offensichtlich hat er zu viel Pulver genommen und die
daneben stehenden Fässer mit Schießpulver explodierten. Den toten
Kurzbach hatte man am nächsten Morgen auf dem Baum vor dem Schloß
gefunden. Das war das letzte Feuerwerk in seinem Leben. Seiner Frau
Helene und der Tochter Sophie hat er das stark verchuldete (143 000
Taler) Gut hinterlassen.
Die Enkelin Heinrichs II. von Kurzbach, Eva Popelia, heiratete
Joachim III. von Maltzan. Die abenteuerliche Lebensweise ihres
Großvaters hatte die Folge, daß er so große Schulden hinterließ,
obwohl er Besitzer von Militsch, Trachenberg, Groß-Wartenberg sowie
zwei Landgütern in Böhmen war.
Dazu kam noch ein Unglücksfall. Militsch wurde am 1. November
1586 von einer polnischen Abteilung überfallen und ausgeplündert.
Heinrichs II. Tod im Jahre 1590 eröffnete eine neue Epoche - die
Zeit der Familie Maltzan auf Militsch. Um die Schulden zu bezahlen,
hat Joachim III. den westlichen Teil mit Sulau verkauft. 1615 erließ
er eine Stadtordnung, in der er sämtliche Zünfte verpflichtete, zur
Verteidigung der Stadt bereit zu sein.
?Er starb nach 34 Jahren seiner Herrschaft , am 7. Januar AD
1625. Er wurde in der Städtischen Kirche beigesetzt, in einem
Kupfersarg, der oben mit silbernem und goldenem Blech bedeckt war.
1884 wurde der Sarg in die St. Anna-Kapelle gebracht" - berichtet in
der ?Chronik der Stadt Militsch" 1909 der Pastor Kluge.
Die von 1618 bis 1648 dauernden Kriege haben Schlesien völlig
verwüstet. Die Dokumente von der kirchlichen Besichtigung vom 25.
September 1666 berichten folgendes: ?In Slabotschine sind im Jahre
1626 von 20 Bauernhöfen nur noch 4 geblieben, in Duchawe von 13 nur
noch 1, Kasawa und Kraschnitz wurden völlig leer." (?Chronik" - K.
Kluge, S.73).
Infolge der Teilung unter den Brüdern Maltzan entstanden aus dem
Militscher Besitz einige kleinere Herrschaften: Freie
Minder-Standesherrschaft Freyhan, Freie Minder-Standesherrschaft
Neuschloß (später Wirschkowitz) und Freie Minder-Standesherrschaft
Militsch. 1694 wurde die Familie von Maltzan in dem Grafenstand
erhoben.
1709 wurde in Militsch mit dem Bau einer der 6 schlesischen
Gnadenkirchen begonnen. Als 1740 der Preußische König Schlesien
überfallen und erobert hatte, war Joachim Andreas II. von Maltzan
der erste, der ihm den Huldigungseid leistete.
Weil der Graf das volle Vertrauen Friedrichs II. genoß, wurde er
sein Minister. Er hatte auch vom König eine kostbare Sammlung von
Musikinstrumenten bekommen, selbst Geigen von Amati und Stradivari
angefertigt. Dank Friedrich II. gründete man in Militsch im Jahre
1745 eine Garnison, die aus einer Schwadron Ulanen mit polnischen
Offizieren bestand. Das Kommando war damals noch im Rathaus, denn
erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man mit dem Bau
der großen Kaserne begonnen. Die Wahl der Stadt Militsch als
Standort von Friedenstruppen hat zu ihrer Entwicklung beigetragen
(Lieferung von Lebensmitteln, Pferden, Futter usw.).
Die Napoleonischen Kriege verwüsteten die Gegend und machten
Militsch arm. Im Jahre 1809 wurde die feudale Abhängigkeit der Stadt
von dem Grafen Maltzan aufgehoben. Ihre Schloßkapelle leitete
jahrelang der Gründer der Militscher Musikgesellschaft und der in
Schlesien bekannter Komponist Friedrich Heinrich Guhr.
Familie Maltzan, obwohl selbst Protestanten, hat viel zum
Wiederaufbau der beiden Militscher Kirchen beigetragen.
In ihrem Schloß befanden sich wertvolle Sammlungen: die schon
erwähnte Musikinstrumentensammlung, unter anderen Bilder des Flamen
Wouverman, des Deutschen Lukas Cranach. Außerdem gab es eine große
Uhrensammlung (Wand-, Schrank- und Kaminuhren), eine interessante
Bibliothek und eine besonders große Kupferstischsammlung. Einen Teil
dieser Kupferstische, die in Mappen und nicht in Schränken lagen,
verlagerte Elisabeth Gräfin v.Maltzan im Sommer 1944 in den Westen
Deutschlands. Ihr Sohn ist der Architekt Mortimer Graf v. Maltzan in
München.
Einer der Schwiegersöhne des Grafen Andreas von Maltzan
(gestorben 1921), Herr v. Reichenau, war Hauptmann im 1.Weltkrieg.
Er wurde im 2.Weltkrieg zum Generalfeldmarschall ernannt und war
beteiligt an der Ausarbeitung des Angriffsplanes ?Barbarossa" gegen
die Sowjetunion. Nachdem er in Ungnade bei Hitler gefallen war,
wurde er 1943 ?krank" und verstarb unter ungeklärten Umständen
?plötzlich" in einem Lazarett.
Die geographische Lage und das Klima bestimmen die Wirtschaft der
Region. Sie ist seit dem Mittelalter vor allem mit der Fischzucht
verbunden. Die Teichfläche in der Gemeinde beträgt fast 3000 Hektar.
Sehr gut wird hier die Forstwirschaft geführt und man sollte wissen,
daß die Wälder 41% der Fläche der Gemeinde einnehmen.
Der 1996 gegründete Landschaftspark des Bartschtals weist
daraufhin, daß die Entwicklung dieser Gegend sich wahrscheinlich auf
Touristik und den Ökoanbau stützen wird.
Das Wappen von Militsch
stellt den heiligen Georg dar, der mit dem Drachen kämpft. Das war
ein legendärer Märtyrer, Schutzheiliger von England (seit 1222),
Portugal, Aragonien, Genua. Der heilige Georg war Beschützer der
Ritter, Waffenschmied, unfruchtbarer Frauen, Krankenhäuser, Hirten
und Pferden. Man malte ihn auf den russischen und bysantischen
Ikonen, weil er für den wichtigsten Heiligen der Ostkirchen gehalten
wurde.
Im 12. Jahrhundert entstand eine Legende, die erzählte, wie der
heilige Georg den Drachen tötete. Das soll den Sieg des Christentums
über das Böse, also über das Heidentum und den Teufel symbolisieren.
Der Drache verkörpert das Böse.
Ganz anders werden Drachen in der chinesischen und japanischen
Mythologie gesehen. Dort hält man sie für menschenfreundliche Wesen.
Das älteste städtische Siegel stammt vom Ende des 15.
Jahrhunderts und stellt den heiligen Georg auf dem Pferd dar. Im
September 1666 fand eine Visitation der beiden katholischen Kirchen
in Militsch statt. Die zweite der besichtigten Kirchen -
wahrscheinlich dem heiligen Georg geweiht (nach deutschen Quellen) -
soll eine Pfarrkirche gewesen sein.
Über dem Eingang des 1851 neugebauten Rathauses wurde das
Stadtwappen angebracht.
Von der Popularität und Anhänglichkeit für die Person des
Heiligen Geogs zeugt auch die Tatsache, daß die Militscher
Schützengilde Ende des 19. Jahrhunderts das Bild des Heiligen auf
ihrer Fahne hatte.
Ireneusz Kowalski